NOWAR – Right Here Right Now CD, LP, Digital (04.12.26) Preorder
Es gibt gute Gründe, die 90er für die aufregendste Zeit im Hardcore-Punk zu halten. Damals wurde der klassische Hardcore-Punk aufgebrochen und die Kreativität explodierte förmlich. Es entstand dabei eine neue Sprache für Verantwortung, Rücksicht, Umsicht und Selbstdisziplin. Tausende Fanzines verhandelten jedes Detail, dazu kamen neue DIY-Strukturen, kleine Labels, europäische Netzwerke, die Lust auf eigene Platten, eigene Räume, eigene Werte. Hardcore wurde plötzlich als ernster alternativer Lebensentwurf ausprobiert. Und NOWAR aus Kiel klingen, als hätten sie diese Schule mit jedem Atemzug inhaliert.
Die Band existiert seit 2018, veröffentlichte Anfang 2019 ein erstes Demo und legte 2021 mit „Don’t Lie“ über Last Exit Music ihr erstes Album vor. Die Mitglieder von NOWAR machen ihr Leben lang Musik, ziehen daraus aber keine angeberische Ex-Band-Trophäenliste. Und genau das passt: „Right Here Right Now“ arbeitet mit Bezug zur Gegenwart. Es geht hier um Erfahrung, die nicht behauptet, sondern gelebt wird.

Der Bezug ist eindeutig: Loxiran, Escapado, Snapcase, Strife und Earth Crisis stehen offensichtlich als Inspirationsquellen im Raum. Halftime-Moshparts, kantige Grooves, eine Stimme, die drängt. NOWAR trägt den legendären „Northcore“ weiter, der schon in den 90er wusste, dass Härte ohne Haltung nur Sport ist. Wenn Loxiran sangen, es gehe nur zusammen, und sich NOWAR darauf beziehen, dann ist das hier keine nostalgische Fußnote, sondern eine praktische Anweisung. NOWAR machen „Positive Hardcore“, PMA ohne Motivations-Posse und Empathie ohne überzeichnete Instagram-Softness.
„Hardcore is more than music“, das merkt man den Texten der Band an, in denen es nicht nur, aber auch, um Persönliches geht und wo Themen wie Krieg, Polizeigewalt und die gesellschaftliche Spaltung verhandelt werden. Was passiert, wenn Hardcore-Punk in seiner Komfortzone verharrt, kann man derzeit sehen, wo populistische Kräfte auf dem Vormarsch sind und niemand in der Szene richtig aufschreit. Es braucht den Geist der 90er, eine neue Politisierung von Hardcore-Punk, Texte mit Aussagen als Parolen im Kampf gegen den rechten Populismus. „Right Here Right Now“ ist dabei dennoch nostalgische Zeitreise, sondern übersetzt die richtige Haltung ins Jetzt: Bewegung, Bewusstsein, DIY-Moral, Wut, Wärme und den Glauben daran, dass Hardcore-Punk immer noch ein Ort sein kann, an dem man nicht allein ist.

