Torsun meets Pöbel MC

Beim Sky auf Erden am 25. Mai treffen Egotronic und Pöbel MC aufeinander. Zu diesem Anlass haben wir beide Protagonisten an einen virtuellen Tisch gebeten, um sich ein paar Fragen zu stellen. Wir sehen uns im Sky!

Der Sky auf Erden #4  | Ticket-Vorverkauf

Foto: Bastian Bochinski

Pöbel MC fragt Torsun

Pöbel MC: Vor einiger Zeit wurde ich indirekt dazu angehalten mich dafür zu rechtfertigen, dass ich mir eine Bühne mit Egotronic teile, da ihr angebliche sehr fragwürdige Positionen u. A. zum isrealischen Siedlungsbau vertretet. Wie steht ihr zu derlei Vorwürfen?

Torsun: Ich hab mich sowohl musikalisch, als auch sonst noch nie öffentlich zum Siedlungsbau in Israel geäußert. Das Zitat, auf das du anspielst, ist mir bekannt. Es lautet: "Halt dein dummes Kotmaul du Antisemitenschmutz, sonst baue ich ’ne Siedlung in deine dumme Ottofresse".  Das hab ich aber weder erfunden, noch jemals damit hantiert. Im einzigen Egotronic-Song zum Thema Israel, mit Namen "Möllewahn", geht es hingegen um die deutsche Projektion auf Israel. Ich nenne es Antisemitismus. Wenn ich allerdings etwas zum Thema Siedlungen sagen soll, dann vielleicht, dass es mich schon überrascht, wie Linke ein Staatsgründungsprojekt unterstützen können, das einen ethnisch reinen Staat, frei von Juden anstrebt.

Pöbel MC: Welche 4 zusammenhängenden Zeilen eures immer noch in Liveverwendung befindlichen Textmaterials gefallen euch besonders gut und warum?

Wenn ich ein paar Zeilen zitieren soll, die mein musikalisches Schaffen insgesamt repräsentieren, dann vielleicht die ersten vom Song "Nicht nur Raver":
Wir sind nicht die, die immer nur verballert feiern
Wir sind auch die, die mehr vom Leben wollen, ja die alte Leier
Wir sind unzufrieden, bilden uns und bleiben radikal
Das fasst das Selbstverständnis von Egotronic glaube ich ganz gut zusammen und erklärt sich selbst, oder?

Torsun fragt Pöbel MC

Torsun: Dein Style erinnert mich stark an den Sound, der grad in Berlin PBerg geht. Um einen Namen zu nennen: MC Bomber. Deine Tracks und Texte feier ich allerdings wesentlich mehr, weil sie zwar das nötige Maß an Prolligkeit für guten Rap mitbringen, aber nicht so nervtötend sexistisch sind. Wie stehst du zu offensivem Sexismus in Rap-Texten?

Pöbel MC: Hehe, diese Assoziation kommt anscheinend manchen Menschen, obwohl ich teilweise nicht wirklich nachvollziehen kann warum. Weder meine Stimme noch meine "Songkonzepte" sind sonderlich ähnlich. Neulich meinte jemand es sei der Flow, aber da dieser je nach Song bei mir ein bisschen unterschiedlich ausfällt, kann auch das maximal vereinzelt stimmen. Manchmal scheint es mir, als wenn die Leute einfach vergessen haben bzw. sich nicht im Klaren darüber sind, dass es Battlerap auf deutsch mit leicht verbreitertem Sprachschatz schon seit über 20 Jahren gibt und alle, die heute derartige Musik machen, vor allem in der Tradition von MOR, Royal TS, Westberlin Maskulin und Co. stehen. Wie dem auch sei, Menschen wollen eben Vergleiche und stumpfe Kategorien, um sich die Welt ein bisschen einfacher zu machen. Es sei ihnen gegönnt, hehe. In diesem Fall ist es ja auch eher ein Kompliment, immerhin ist MCB stilistisch gesehen einer der wenigen guten Rapper. Inhaltlich verfolge ich wie mir scheint einen etwas anderen Ansatz, der wohl darauf fußt, dass ich an die Reproduktion und Konservierung von Stereotypen und Rollenbildern durch Sprache/Mukke glaube, ich also bei einigen grützigen Dingen, die mir beim Texten so ins Hirn springen, innehalte und abwäge was ich mit meiner Haltung, auch unter dem Gesichtspunkt der künstlerischen Verdichtung/Übertreibung, vereinbaren kann. Das Ergebnis wird von vielen als links/politisch konnotiert bzw. als eben auch nicht vordergründig/offensiv sexistisch wahrgenommen - Ob man das nun so sehen kann oder nicht, hängt davon ab was man z. B. unter offensivem Sexismus versteht. Passend scheint mir diese Bezeichnung wenn, was wohl im Rap (und im Alltag) oft zu finden ist, Frauen systematisch abgewertet und objektifiziert werden oder permanent irgendwelche (eigentlich eher kulturbedingten) Stereotypen darüber, was Männlichkeit/Weiblichkeit angeblich ist, gedroschen werden. Wenn jedoch jemand darüber rappt, dass er gerne bumst und einen seiner Auffassung nach phänomenalen Penis hat, ohne zu implizieren, dass man nicht auch eine super tolle Muschi (bzw. was auch immer) haben kann, finde ich die Bezeichnung eher unpassend. In diesem Fall ist der/diejenige für mich eher sexuell als sexistisch (was ich eigentlich immer gutheiße). Diskutiert wird’s seltsamerweise meist umgedreht.

Torsun: Wie produzierst du deine Beats? Sie klingen sehr sample-basiert? Sind das fast ausschließlich Samples oder ist das eingespielt?

Pöbel MC: Wenn ich nen guten Beat brauche, dann Frage ich Menschen die mehr vom Beatbauen verstehen als ich, z.B. Tis L, Doktor Damage, Dub Dylan, China White, Pavel, Tito Tentaculo oder meinen DJ Flexscheibe, daher kann ich dazu nicht soviel sagen. Ich glaube alle arbeiten eher mit Samples, vielleicht wird mal nen Synth per Keyboard eingespielt. Schöne Grüße an die Atzen.

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