Saalschutz

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Saalschutz (CH) Zürich

„Ich wünsche mir für das neue Jahr Strom, Wasser und eine Nacht in einer Kneipe mit Saalschutz... und mit Kneipe meine ich Whirlpool... und mit Whirlpool meine ich Bett!“

[Ein Grußwort zum Jahreswechsel, so gesehen in der 12. Folge von egotronic.tv]

Kennt man doch. Kaum kommt einem Saalschutz in den Sinn, gehen die Gedanken auf eine lange, erotische Reise. Alles rein platonisch versteht sich – zumindest solange, bis man die beiden Mitglieder der Schweizer Ravepunk-Boygroup live sieht. Dann tropfen Schweiß und Adrenalin von der Decke. Es ist 2013 – es ist Saalschutz. Kein Scheiß. Keine Band in der elektrisch aufgeputschten Szenerie hat sich gleichermaßen so stilprägend wie wandelbar präsentiert.

Kann losgehen.
Eingangs erwähnte Egotronic finden sich in Form ihres Betreibers Torsun auch als Featuring-Gast auf einem der bemerkenswertesten Stücke. Heißt:
„Während Du feierst, stirbt Dein Volk“. Welches Volk das zumindest in Bezug auf Saalschutz ist, dürfte mittlerweile bekannt sein: Die Schweiz. Hallo Zürich. Land der Kultursubventionen und der Rätsel. Paradies für Snowboarder und Heroinabhängige. Und für all die externen Müllprinzen, die bei Schweiz nur an DJ Bobo denken können, halten Saalschutz ein besonderes Entrée bereit: DJ Bobo zählt „Saalschutz Nichtsnutz“ ein, beziehungsweise hat sogar ein paar Worte zum Geleit für uns Menschen.

Was ein Coup, was ein Kulturclash.
Musikalisch fällt auf, wie viel sich erneut im freundlichen Trademark Saalschutz getan hat. P!O!P! Nachdem die rechte und die linke Hand des Teufels (wie wir minderbemittelte Musikjournalisten die beiden hinter ihrem Rücken gern nennen), nachdem die beiden also ihr ureigenes System von „E-Punk“ und „verschmitzt verstolpernd“ mit dem 2010er Album „Entweder Saalschutz“ komplett durchdekliniert haben, öffnen sie nun das Panoramafenster zum Königreich P!O!P! Schönklang muss nicht mehr zwangsläufig demaskiert, dekonstruiert werden, um die korrupten Mechanismen des Songbetriebs zu entlarven. Nein. Saalschutz 2013 sind relaxter denn je. Sie müssen niemandem mehr etwas beweisen, sie können einfach ihr Ding machen. Und das ist weit mehr als „Saalschutz Nichtsnutz“. Und so findet sich ihr Pop ausgekleidet mit Soul Samples, Ska, Drum’n‘Bass, Country, Walzer, classic House-Breaks, ja sogar Flügel und Akkordeon. Nie klangen Saalschutz besser als auf „Saalschutz Nichtsnutz“, Props dafür auch an Produzenten Atomik Martin. Du weißt, wer du bist! (Kunststück, hast ja auch gerade deinen Namen gelesen) Textlich indes verhindern M T Dancefloor und DJ Flumroc (hatte ich diese Funpunk-Gedächtnisnamen nicht schon im letzten Info verboten?), dass man es sich im nassen Grab von Schönklang häuslich einrichtet. Denn (ebenfalls neu) die Texte besitzen nicht mehr durchgehend den doppelten Boden von Witz und vor allem von Ironie. Saalschutz machen zwar noch viel Spaß, aber es geht um mehr diesmal. Noch nicht am Ende aber ausgespuckt zu sein – oder drinnen festzuhängen, obwohl man komplett fertig ist. Das ewige Weitermachen als Verheißung und Vernichtung gleichzeitig. Aber nie als Ausrede, sich privatistisch einzurichten im kleinen Glück.

„Im Angesicht des Nichts hat jeder die Verpflichtung, die Leiden der Welt ein klein bisschen zu verringern.“
[Albert Camus]

Zu abstrakt? Bitte keine Literaturverweise in einem Albuminfo? Wie sieht DJ Bobo eigentlich nackt aus? Nur die Ruhe, ganz so existenzialistisch ist und soll „Saalschutz Nichtsnutz“ natürlich auch nicht sein. Schon allein der Binnenreim im Titel (Saalschutz/Nichtsnutz). MTDF bietet hierbei den Querverweis zu so einem Killernamen wie „Schwanzus Longus“ („Das Leben des Brian“, Monty Pyhton) an. Nicht schlecht. Auf die Bühne. Viel hat sich bei Saalschutz auch im Vorfeld dieser Platte getan – für live on stage wurden die alten Stücke überarbeitet, in die Shows finden sich neben den zwei Züricher Frontschweinen auch die Skills von den beiden Live-Mischern Pascal Fuhlbrügge (einst bei der Band Kolossale Jugend und Mitbegründer des Labels L’Age D’or) und Daniel Rizzo eingepasst. Geschlossen sei mit Freddie Mercury. Der wird im Stück „Die von Freddie Mercury“ direkt angesprochen - und hat selbst Treffliches zu sagen. “Inside my heart is breaking / My make-up may be flaking / But my smile still stays on / On and on, does anybody know what we are living for? / I guess I'm learning, I must be warmer now / I'll soon be turning, round the corner now / Outside the dawn is breaking / But inside in the dark I'm aching to be free”

[Queen “The Show Must Go On”] Linus Volkmann

 

Fotos:
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(Svenja Klemp, 2013)

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Videos:
 

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