INTERVIEW MIT WAVING THE GUNS

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Foto von Clemens Fischer

Hallo Waving the Guns, erstmal vorweg als kleine Hilfestellung für den Verfassungsschutz: Wie viele seid ihr, wie heißt ihr und wie ist eure Meldeadresse?

Moin! Wir sind vier Leute: Milli Dance und Admiral Adonis rappen, Dub Dylan und Dr.Damage (4D Instrumentals) machen unsere Beats.

Totschlagargumente ist euer erstes Album, was es auf Vinyl gibt. Wann habt ihr mit der Arbeit
daran angefangen und wie läuft so ein Produktionsprozess bei euch?

Es ist schwierig, genau festzulegen wann wir angefangen haben, daran zu arbeiten. Vor einem Jahr ungefähr haben wir unser letztes Release „Fachkräftemangel“, eine 10- Track- EP, zum freien Download ins Internet gestellt. Danach haben wir weiter Tracks gemacht, bis ein Album in Sicht war. Intensiv und zielstrebig haben wir seit Februar dieses Jahres bis Ende Juli an „Totschlagargumente“ gearbeitet. Seit Audiolith gesagt hat, sie würden es auf Vinyl rausbringen, umso mehr ;). Unser Produktionsprozess sieht so aus, dass 4D beständig Instrumentals schrauben und meistens Milli Dance mit fertig geschriebenen Texten kommt. Manchmal werden auch Texte auf Instrumentals geschrieben, wie z.B. bei „Armutszeugnis, aber meistens finden sich bereits fertige Texte und Beats. Und dann wird halt weiter dran rumgeschraubt. Adonis schreibt oft zu den bereits existierenden Sachen noch seine Parts dazu. Der Track „Verfall“ beruht aber beispielsweise auf seiner Idee. Dr. Damage kommt öfter mit neuen Varianten um die Ecke, die dann statt der ursprünglichen Version genommen werden. Er ist auf jeden Fall derjenige, der am meisten Nerven im Prozess gelassen hat, da er alles an Arrangements und Mixing macht. Milli Dance war auch viel involviert, aber den Rechner bedient immer Dr. Damage.

Ihr wart mit Feine Sahne Fischfilet auf Tour, einer Punkband. In euren Texten sind auch hin und
wieder Referenzen an Punk drin - wart ihr früher Punks und wenn ja, warum seit ihr dann auf Rap gekommen?

Milli Dance: Punk war ich nie, ein paar Punk-Bands, bzw. einzelne Songs, feier ich aber. Und wenn du in der mecklenburgischen Provinz aufwächst, vermischt sich alles, was nicht rechts ist, miteinander (zumindest war‘s bei mir noch so). Also haben da alle mit allen abgehangen und sich beeinflusst. Ne gewisse Punk- Attitüde haben wir ja auch…

Dub Dylan: Ich bin tatsächlich musikalisch durch Punk sozialisiert worden. Später kam dann Rap - ganz banal durch einen Wechsel des Freundeskreises. Von Punk habe ich auf jeden Fall den Hang zur Gesellschaftskritik mitbekommen, wenn diese auch anfangs eher diffus ausgeprägt war.
Könnt ihr ein paar Platten oder Songs nennen die euch im letzten Jahr beeinflusst haben?

Dub Dylan: Audio88 & Yassin - Normaler Samt, Zugezogen Maskulin - Alles brennt, aktuell läuft "Kontraste" von Disarstar rauf und runter.

Milli Dance: Ich würd eher Künstler aufzählen wollen. Das mit dem beeinflussen kommt ja automatisch beim Hören, daher kann man das wohl so sagen. Wie auch immer: Prezident, Audio88 & Yassin, Morlockk Dilemma und Hiob, Action Bronson, einzelne Songs von Disarstar,  MC Bomber, Zugezogen Maskulin (bzw. grim104), SSIO, Dexter, Absztrakkt, KIZ, Retrogott (mit und ohne Hulk Hodn) und noch so viele mehr… Aus der Reihe tanzen da grade AnnenMayKantereit und Wanda. Und The Pogues. Ja, wirklich…

Ihr habt in den letzten Monaten ja schon viele Konzerte gespielt, was würdet ihr sagen habt ihr dabei gelernt? Was würdet ihr euch selber, wenn ihr in die Vergangenheit reisen könntet, für einen Ratschlag geben für die Bühne?

Dub Dylan: Lieber einmal mehr proben…

Milli Dance: Zeit nehmen für den Soundcheck, wenig kiffen vorm Konzert, mehr Kaffee, genug schlafen… aber da reicht es wenn wir uns das in der Gegenwart sagen.

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Foto von Clemens Fischer

Ihr redet ja gerne vom Rausch und vom Feiern. Scheinbar habt ihr da viel Erfahrung. Könntet ihr den jungen Leserinnen und Lesern ein paar Tipps zum Umgang mit Alkohol geben?

Dub Dylan: Alkohol ist auf jeden Fall eine hart unterschätzte Droge. Wie bei allen Drogen ist reflektierter Konsum zu empfehlen. Wer will am Ende schon aussehen wie Shane MacGowan oder Lemmy Kilmister?

Milli Dance: Seht zu, dass es euren Alltag nicht bestimmt und ihr anderen nicht auf den Keks geht. Ihr solltet wissen, wann es auf jeden Fall wichtig ist, nüchtern zu sein. Ansonsten: Trinkt nur guten Vodka mit Speck und Brot, immer ein Wasser dazu. Und in Maßen. Haltet eure Getränke auf Partys im Auge. Und vergesst nicht, dass Lieder über Alkohol immer verdichtete Momentaufnahmen und nicht 1 zu 1 ernst zu nehmen sind. Außer bei Shane McGowan oder Lemmy Kilmister vielleicht.

Ein anderer sehr guter Rostocker Rapper hat mal enttäuscht festgestellt, dass niemand mehr ballert. Würdet ihr das unterschreiben? Ballert wirklich mehr niemand in Rostock?

Dub Dylan: Wenn du wüsstest…

Milli Dance: Der wohnt ja schon länger in Berlin :D. Ich glaube das passiert noch mehr als genug.
Ihr habt ja zuweilen auch den ein oder anderen politischen Text. Sicher erreicht ihr damit auch
ein paar Leute. Was würdet ihr den Leuten die eure Texte feiern noch gerne auf den Weg geben?

Dub Dylan: Klingt vielleicht blöd, aber nehmt zwischen den ganzen Exzessen, zu denen wir euch anstiften, auch mal ein Buch in die Hand. Kann nicht schaden.

Milli Dance: Organisiert den antifaschistischen Selbstschutz. Ist ein guter Anfang. Ansonsten: Verschwörungstheorien sind Bullshit, Ken Jebsen ist nicht links, das am Himmel sind tatsächlich Kondensstreifen, man kann sich auch jenseits von Anti-Imp und Anti-D definieren und wer die Qualität von Musik ausschließlich über ihren politischen Gehalt definiert, sieht nicht durch.

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